
Die Gravenhorster Klostermühle wird am 27. August
1262 erstmals urkundlich erwähnt, wobei der Graf von Ravensberg sie
an das 1256 gegründete Zisterzienserinnenkloster verkauft.
„Otto Graf von Ravensberg überträgt als Patron
der Kirche in Riesenbeck mit Zustimmung des Bischofs von Osnabrück
, des Archediakons, des Rektors der Kirche in Riesenbeck und dessen Vertreters
den Haupthof und die Mühle in Gravenhorst, die bisher in geistlicher
Hinsicht zur Kirche in Riesenbeck gehörten, an die Nonnen in Gravenhorst.
Die Bewohner dieser Güter und die auf
ihnen weilenden Gäste können, gleichgültig
ob sie gesund oder krank sind, im Kloster Gravenhorst die Sakramente empfangen
und kirchlich beerdigt werden. Dabei bleiben der Kirche in Riesenbeck nur
taufe der Kinder und Einsegnung der Frauen nach einer geburt vorbehalten.
Als Entschädigung erhalten der für Riesenbeck zuständige
Archediakon jährlich am feste der Märtyrer Crispinus und Crispinianus
aus dem Hof des Wichmanns in „Onevoren“ (Hof Ungruh) acht Pfennige und
der Rektor der Kirche aus demselben hof zu demselben Termin 12 Pfennige.
Wenn jemand von der Burg Tecklenburg im Kloster Gravenhorst beerdigt wird,
bekommt der Vertreter des Pfarrers alle Kollekten der zweiten Messe, wenn
er diese liest, mit Ausnahme der Lebensmittel, die in Gravenhorst verbleiben.“
Über die Lage der Mühle gibt erst eine Urkunde von 1475 Auskunft. Demnach stand sie auch rund 200 Jahre nach der Gründung des Klosters mit dem Klosterhof (der curia) in enger räumlicher Beziehung: Damals sollte ein Haus für den Vikar errichtet werden.
Die Gravenhorster Klostermühle war frei vom sogenannten
Mühlenzwang
24.03.1645 bekundet Vicedrost A. Limborch
Den Hausleuten der Grafschaft Lingen stehe es frei, nach
Belieben zur Mühle zu Gravenhorst zu gehen, wie es alte Gewohnheit
sei. Aufgrund des Einspruchs der Äbtissin zu Gravenhorst werde den
Hausleuten der Grafschaft Lingen nochmals ihre Freiheit bestätigt,....
Nach dem 30-jährigen Krieg erfolgen 1651 umfangreiche
Umbauarbeiten. Zumindest seit dieser Zeit besteht der untere Teil des Mühlengebäudes
aus Bruchstein-mauerwerk und der obere Teil aus Fachwerk.
1773 Empfang von zwei vollständigen „Siebentzehnter“
Mühlsteinen,
am 03.07.1773 durch die Äbtissin Bernhardine von
Cornarens bescheinigt. Zum Behuf unserer Mühlen, von dem Herrn Gerhard
Meyer aus Rheine für 178 Reichstaler und 14 Schillinge . Wegen der
schlechten Zeiten könne die Zahlung jedoch nicht verfügt werden,
weshalb diese als kapital jährlich mit 4 „pro cento“ zu versinsen
gelobigt worden ist.
1781-1788 Auflistung des jährlichen Mahl Quantums:
3 Malter Weitzen, 47 Malter Roggen, 11 Malter Buchweitzen,
2 Malter Malz 5 Malter Mengelkorn.
1789 Erneuerung des Wasserrades der Kornmühle
mitsamt Stau und Fundamenten
1789 ist die obere Kornmühle repariret in Junio,
Erstlich ist an der wasserseite die Mauer von Fundament biß an die
mitte Mauer gans neu gemachet, 2tens das Schutten Werk gans neue von Holz
bis in Fundament, 3ten neue Gotten worin die Rade gehen, 4ten 1 neue Achse
und Rad hat ohne den vielen Holtz wenigsten gekostet 200 Rthlr.
Mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 wird das Kloster
säkularisiert und enteignet. Das Eigentum geht in den Besitz der Preußischen
Krone, die dann die Mühle verpachtet wovon einige Dokumente zeugen.
1808 Schmölder zu Gravenhorst, Anpächter
der dasigen Eisenhütte, auf drey Jahre, will von dem adeligen Frauenkloster
die dortigen Mühlen, nämlich die sogenannte Obere Kornmühle
und die untere Mühle, jene für 400 diese für 70 Rthl auf
vier Jahre pachten.
Die Reparatur der baufälligen Mühle übernimmt
der Pächter.
1809 Ibbenbüren, Schmölder soll die Mühle nicht bekommen, Kammer Assesor Rump ist beauftragt, die Mühlen meistbietend zu verpachten. Nach Ansicht der Regierung in Münster kann eine höhere Pachtsumme erzielt werden.
1814 Ibbenbüren, der Zimmermann Ernst Künnemeyer, Pächter der zu Gravenhorst belegenen Mühle bittet gehorsamst, ihn von der Pacht loszulassen oder die Pachtgelder auf die Hälfte herunterzusetzen.
1815 öffentliche Versteigerung der Mühlenpacht
Meistbietender war Hermann Storck mit 260 Rthlr..
1816 Übergabe der Mühle im Auftrage des Herrn Domainen Rentmeister Rump durch Günter Renthei Vogt im Beisein des Zimmermanns Gerd Plagemann.
Ab 1823 hat das Kloster mitsamt der Klostermühle
wechselnde Eigentümer.
Die staatliche Domäne Gravenhorst – ehemaliger
Klosterbesitz ging 1823 durch Kauf an den Mühlenbesitzer Buddenberg
aus Bippen und wurde als „Gut Gravenhorst“ eingetragen. Der Gutsbesitzer
Buddenberg teilte das Gut mit seinem Schwager Friedrich Wilhelm Helfer
derart, dass die Ibbenbürener Aa die Grenze bildete, links der Aa
gehörte nun Helfer und rechts de Aa Buddenberg. Als die Kinder Helfers
später eine erneute Teilung anstrebten, fasste Buddenberg den Entschluss,
das ganze Gut zum Verkauf anzubieten, um mit dem Erlös die gesetzlichen
Erben abzufinden. So ging das Gut 1864 in den Besitz des Konsul Ichon zu
Bremen über. Er blieb Gutsbesitzer bis 1874. Die künftigen Besitzer
waren: Otto von Baar 1874 – 1890, Herzog von Arenberg von 1890 – 1925,
Provinz Westfalen 1925 – 1936/37. 1936 verkaufte die Provinz Westfalen
800 Morgen an die Siedlungsgesellschaft „Rote Erde“. Es entstanden 9 Siedlungshöfe
in Gravenhorst: Albermann, Beckmann, Brandherm/Messing, Briem/Böhner,
Feldhaus, Haverkamp/Kaldemeyer,
Kaßling/Arends, Kersken/Gröpper, Schmiemann.
Durch Vertrag kamen das Restgut mit Gebäuden, Mühle und Gaststätte
an den Kreis Tecklenburg, der Wald verblieb noch bei der Provinz Westfalen
und wurde 1939 an eine Freifrau Guillaume in Gudenau bei Bonn verkauft.
Der Großneffe, Graf Strasoldo aus Bad Godesberg ist heute noch im
Besitz des Waldes.
1937 wird der Kreis Tecklenburg Besitzer. Während
des Zweiten Weltkrieges von 1939 - 1945 wird auch diese Mühle stillgelegt.
Dazu war sie wie in der Zeit üblich, verplombt worden.
Historische Aufnahmen
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Foto: vor 1970 |
Foto: um 1900 |
Kurz nach dem Krieg am 16. Juni 1945 pachtet der Müllermeister Ludwig Müller die beschädigte Mühle. Er baut sie in wieder auf, erweitert sie um ein Stockwerk und kann sie 1954 vom Kreis Tecklenburg kaufen.
Um 1900 erhält die Mühle eine zusätzliche Funktion als Sägemühle, zunächst mit einem Horizontalsägegatter, das bis auf die Klosterstraße verläuft. 1952 wird das neue, heute nicht mehr vorhandene Sägewerk hinter der Mühle errichtet. Beide Gebäude werden mittels eines über die Aa verlaufenden Steges verbunden. Zur effektiveren Nutzung erhält die Sägemühle ein Vollgatter.
Die Mühle hat zwei Mahlgänge und wird von einem
mittelschlächtigen Wasserrad angetrieben.
Bereits in einer Urkunde aus dem Jahre 1843 wird die
Mühle und ihr besonderes Problem beschrieben: „Korn-Wassermühle
mit 2 Gänge. Zwei Mahlgänge mit 2 unterschiedlichen Rädern
an der „Ahe“, der es gewöhnlich von Johanni bis Michaeli an Wasser
mangelt, so dass sie nicht mehr täglich fort dauernd gebraucht werden
können.“
Wassermangel während trockener Sommer führt
hier früh zum Einsatz einer Dampfmaschine, die in einem Anbau vor
dem Südgiebel der Mühle untergebracht wird und die zentrale Kraftverteilung,
die Transmission antreibt.
Als Ludwig Müller die Mühle erwirbt, ist diese
Dampfmaschine nicht mehr vorhanden. In dem heißen und trockenen Sommer
1959 baut er den noch heute funktionierenden Elektromotor ein. Bis Ende
der 70er Jahre findet in der Mühle ein reger Mahlbetrieb und Futtermittelhandel
statt.
Mühlentechnik
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Foto: ca. 1965 – 1974 |
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Mit der Umlegung der Aa verliert die Wassermühle ihre angestammte Energiequelle. Das vorhandene, eiserne Wasserrad, der Stau und die 2-Bogen-brücke werden demontiert und der Flusslauf zugeschüttet. Der Mahlbetrieb erfolgte dann ausschließlich mit der Kraft des Elektromotors.
Der in der Mühle stationierte Dieselmotor von 1934 ist erst im Rahmen der Renovierung im Jahre 2004 nach Gravenhorst gekommen. Er stammt aus der Hardebeck´schen oder Brumleyhof Mühle aus Riesenbeck, die umgebaut werden sollte.
1978 erfolgt die Aufgabe von Mahlbetrieb sowie dem Handel mit Getreide, Düngemitteln, Futtermitteln und Saatgut, 1988 auch des Sägewerksbetriebes. Ludwig Müller stirbt 1991. Nachdem die Mühle 58 Jahre in Pacht und Besitz der Familie Müller gewesen ist, erwirbt der Förderverein Kloster Gravenhorst e.V. die Mühle im Jahr 2003.
Den heutigen, spärlichen Zufluss des Mühlenteiches stellen 2 Quellen aus dem Teutoburger Wald dar.
Der Förderverein Kloster Gravenhorst e. V. konnte die Wassermühle mitsamt der vorhandenen, größtenteils unversehrten Technik von der Familie Müller erwerben. Die Instandsetzung des Gebäudes und der Technik, das Ausheben des „Teilflusses“, die Wiedererrichtung des Staues und der Zweibogenbrücke konnte dank der Hilfe der niederländischen Stichting „RIBO“, des Fördervereins Kloster Gravenhorst e. V. mit den hoch-aktiven Gravenhorster Rentnern und privater Spenden realisiert werden.

Das Wasserrad stellten die Auszubildenden der DSK-Anthrazit
Ibbenbüren 2005 unter Leitung von Herrn Tournee her.
Technische Daten des Wasserrades:
Typ: mittelschlächtiges
Wasserrad aus Stahl
mit Kulissentrogauslauf
Durchmesser: 4000 mm
Breite:
900 mm
Umdrehungen: 12-15
U/min, bei Last
Gewicht: 2500 KG
Leistung: maximal 12 KW
Besichtigungen nach Vereinbarung mit dem
Förderverein Kloster Gravenhorst
Herrn Döbber, Tel. 05459-4561
Frau Ursula Müller, Tel. 05459-8328
DA Kunsthaus Kloster Gravenhorst
Tel. 05459-9146-0 (Verwaltung)
Gravenhorst, im April 2006